befristete Arbeitsverträge im deutschen Profifußball

LAG Mainz: Urt. v. 17.02.2016, Az. 4 Sa 202/15
Heinz Müller lässt den deutschen Profifußball zittern – ein zweiter Bosmann?

Sachverhalt
Heinz Müller war seit 2009 Torwart beim FSV Mainz 05. Wie im Profifußball üblich, hatte er von seinem Arbeitgeber mehrfach befristete Arbeitsverträge erhalten.

Sein letztes Arbeitspapier hatte eine Laufzeit von zwei Jahren und lief Ende der Saison 2014 aus. Heinz Müller war der Meinung, dass diese Befristung nach dem deutschen Arbeitsrecht nicht gerechtfertigt und somit unzulässig sei. Vor dem Arbeitsgericht Mainz reichte er Klage ein. Diese war darauf gerichtet, dass vom Gericht der Fortbestand als unbefristetes Arbeitsverhältnis festgestellt werden würde.

Mit Urteil vom 19. März 2015 – Az. 3 Ca 1197/14 entschied das Arbeitsgericht Mainz, dass ein Fußballprofi wie jeder andere Arbeitnehmer zu behandeln sei. Es sei daher unrechtmäßig, dass die Vereine diese ständig mit auf wenige Jahre befristeten Verträgen ausstatten würden.

Der FSV Mainz 05 legte umgehend Berufung beim Landesarbeitsgericht ein. Und das aus gutem Grund:

Denn: Würde das Urteil des Arbeitsgerichts Mainz rechtskräftig, so käme diese Entscheidung einem Umsturz des (deutschen) Profisports gleich, der den Folgen des Urteils Bosman in Nichts nachstünde. Seinerzeit hatte der belgische Fußballprofi Jean-Marc Bosman 1995 durch seine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof dafür gesorgt, dass Fußballspieler nach Ablauf ihres Vertrags ablösefrei wechseln dürfen.

Aber was würde die Entscheidung für den deutschen Profifußball und andere Sportarten, in denen der Abschluss befristeter Arbeitsverträge üblich ist, bedeuten?

Wieso hätte die Feststellung des Gerichts einen solch immensen Einfluss?

Jeder Arbeitsvertrag eine deutschen Profifußballers wäre ein unbefristeter Arbeitsvertrag. Die Kündigung des Spielers durch den Verein wäre nur unter den strengen Anforderungen des deutschen Arbeitsrechts möglich.

Spieler wären somit bis ins Rentenalter bei dem Fußballverein beschäftigt, ohne dass sie körperlich dazu in der Lage wären, dem Verein sportlich weiter zu helfen.

Jeder Spieler hätte die Möglichkeit, unter Einhaltung der gesetzlichen Kündigungsfristen das Arbeitsverhältnis mit dem Verein zu kündigen. Die Zahlung einer Ablösesumme an den bisherigen Verein, also das „Herauskaufen“ aus dem Arbeitsvertrag wäre daher durch den neuen Verein nicht mehr erforderlich. Es liefe es darauf hinaus, dass die Vereine „ihrem“ Wunschspieler immense Geldsummen zahlen würden, um diesen zur Kündigung des Arbeitsvertrags zu bewegen.

Entscheidung
Die mögliche Sprengkraft des Urteils für den gesamten deutschen Profisport hat wohl auch das Landesarbeitsgericht Mainz erkannt. Denn nicht anders ist die Entscheidung des Landesarbeitsgericht Mainz vom 17. Februar 2016, Az. 4 Sa 202/15 zu erklären.

Das Gericht entschied, dass befristete Arbeitsverträge im Profifußball rechtmäßig seien.
Aber: Mit den Regelungen des Gesetzes über Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge und den darin enthaltenen Ausnahmeregelungen für die Zulässigkeit von Befristungen sind die Standards im deutschen Profisport nicht in Einklang zu bringen.

Fazit
Deshalb ist es umso spannender, wie das Bundesarbeitsgericht, bei dem der Fall mittlerweile anhängig ist, über den Fall entscheiden wird.

Es bleibt abzuwarten, ob die Parteien sich nicht vor einer Entscheidung des BAG stillschweigend und unter Zahlung eines großzügigen Vergleichsbetrags einigen, um die Kuh für den deutschen Profisport zumindest vorzeitig vom Eis zu holen.

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