Jagdkurs eines Hoteldirektors

LAG Mecklenburg-Vorpommern, Urteil vom 08.12.2017, 2 Sa 47/17

Die Teilnahme eines Hoteldirektors an einem Jagdkurs stellt keine arbeitsvertragliche Pflichtverletzung dar.

Sachverhalt

Die Parteien streiten um den Bestand des zwischen ihnen bestehenden Arbeitsverhältnisses sowie um Vergütungsansprüche, die in Abhängigkeit vom Erfolg der Kündigungsschutzanträge stehen. Der Kläger ist bei der Beklagten als Hoteldirektor zu einem Monatsgehalt von 10.000,– EUR brutto angestellt. Das Arbeitsverhältnis wurde seitens der Beklagten sowohl außerordentlich als auch ordentlich gekündigt.

Dem Kläger wurden mehrere Pflichtverletzungen vorgeworfen, unter anderem, dass er während seiner Arbeitszeit, ohne Inanspruchnahme von Urlaub, an einem mehrtägigen Jagdkurs teilgenommen hat. Der Kläger habe zudem in diesem Zusammenhang den Teilnehmern ein Essen im Hotelrestaurant auf Kosten des Hotels ausgegeben.

Gegen diese Kündigungen hat der Kläger Kündigungsschutzklage erhoben und gewann vor dem LAG Mecklenburg-Vorpommern (Urteil vom 09.12.2017- 2Sa 47/17).

 

Entscheidung

Das LAG Mecklenburg-Vorpommern stellte mit Urteil vom 09.12.2017 fest, dass hier weder ein außerordentlicher noch ordentlicher Kündigungsgrund gegeben war. Die zahlreichen Vorwürfe, die zur Rechtfertigung der Kündigung herangezogen waren, reichten dem LAG zur Begründung der Kündigung nicht aus.

In der Teilnahme eines als Hoteldirektor angestellten Arbeitnehmers an einem mehrtägigen Jagdkurs ohne Inanspruchnahme von Urlaub sei jedenfalls dann keine Pflichtverletzung zu erkennen, wenn der Hoteldirektor vertraglich nicht an feste Arbeitszeiten gebunden ist. Vielmehr erfordere es seine Funktion und Stellung vielfach, während der üblichen Arbeitszeiten des anderen Personals sich außerhalb des Hotels aufzuhalten. Darüber hinaus könne auch nicht davon ausgegangen werden, dass die Veranstaltung keinen dienstlichen Bezug hatte, da die Vernetzung in der lokalen Gesellschaft auch die Teilnahme an einem Jagdkurs erforderlich machen könne. Auch soweit sich die Beklagte darauf berufe, dass der Kläger für die Teilnehmer des Jagdkurses einen 90 Liter Eintopf in der Küche des Hotels kochen lassen hat, konnte das Gericht hier keine Pflichtwidrigkeit erkennen.

Fazit

Das KSchG macht von seinem Grundsatz, dass Kündigungen sozial gerechtfertigt sein müssen, für leitende Angestellte keine Ausnahme. Auch sie sind Arbeitnehmer, daher muss auch ihre Kündigung betriebs-, personen- oder verhaltensbedingt sein. § 14 Abs. 2 KSchG schließt § 1 KSchG für leitende Angestellte gerade nicht aus.

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